Andacht
V
Herr Jesus Christus, beim Mahl am Abend vor deinem Leiden hast du Abschied
genommen von deinen Jüngern. Du hast ihnen ein Vermächtnis deiner Liebe und
deiner Hingabe bis in den Tod hinterlassen. Gib, dass wir das Beispiel deines
Lebens stets vor Augen haben und die Größe deiner Liebe immer tiefer erkennen.
Hilf uns, dass auch wir einander lieben, so wie du uns geliebt hast, damit die
Menschen erkennen, dass wir deine Jünger sind, der du lebst und herrschst in
Ewigkeit. A Amen.
„Tut
dies zu meinem Gedächtnis“ - Lesung: 1 Kor 11,23-26
L Lesung aus dem ersten Brief des
Apostels Paulus an die Korinther. Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch
dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er
ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das
ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem
Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut
dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem
Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er
kommt.
Kurze
Stille - Wechselgebet
V
Herr Jesus Christus, du hast uns dieses heilige Sakrament anvertraut. Du
schenkst uns Gemeinschaft mit dir, wenn wir uns versammeln als deine Brüder und
Schwestern. So dürfen wir sicher sein, dass du in unserer Mitte bist.
A Denn wo zwei oder drei in deinem Namen
versammelt sind, da bist du mitten unter ihnen.
V
Herr Jesus Christus, du hast uns dieses heilige Sakrament anvertraut. Hier
verkünden wir die frohe Botschaft von deinem Leben. Hier verkünden wir die
frohe Botschaft von deinem heilbringenden Sterben. Du bist uns nahe in deinem
Wort.
A Deine Worte sind uns heiliges
Vermächtnis: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; das ist mein
Blut, das für euch vergossen wird.
V
Herr Jesus Christus, du hast uns dieses heilige Sakrament anvertraut. Hier
empfangen wir das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles. Du bist unsere
Speise, du bist unser Trank. Du lässt uns eins werden mit dir und
untereinander. So lebst du in uns, und wir leben in dir.
A Lass alle eins werden durch dich im
Heiligen Geist.
V
Herr Jesus Christus, du hast uns dieses heilige Sakrament anvertraut. Hilf uns,
dein Wort ernst zu nehmen: Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir
dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort
vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm
und opfere deine Gabe.
A Herr, vergib uns und mach uns bereit,
selbst zu vergeben.
V
Herr Jesus Christus, was uns fehlt an Glauben und Liebe, das ergänze du mit der
heilbringenden Kraft deines Opfertodes.
A Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und
deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.Und das, was die Liebe gibt, überrascht nicht. Die Liebe verlangt, dass man ihr die Tür öffnet, sie drückt sie nicht ein.
Kein anderer als Unser Herr selbst hatte die Aufgabe, die Eucharistie anzukündigen und sie auch zu schenken.
Ein Engel hat die Menschwerdung angekündigt; hier nimmt Jesus seine Sache selbst in die Hand; er verspricht und knüpft seine Bedingungen daran. Und Jesus wartete zur Ankündigung der Eucharistie nicht das Ende seiner evangelischen Sendung ab. Er handelte, wie man auch sonst in der Welt handelt; man reißt die Leute nicht mit einem Schlag aus der Gewöhnung heraus. Die Vorurteile der Erziehung, der Rasse und des Landes sind sehr schwer zu zerstören. Die falsche und ichsüchtige Frömmigkeit macht sich in diesem Punkt Illusionen; sie will nicht über die eigenen Ideen hinaussehen, noch die notwendige Anstrengung dafür auf sich nehmen. Wie soll man also vorgehen? Wie die großen Männer, die ihre Gedanken in die Welt setzten: es wird ihnen zuerst widersprochen, sie werden anfangs verkannt, doch schließlich gibt man ihnen doch recht.
So ist auch Unser Herr vorgegangen. Er
verkündete die eucharistische Idee. Man hat sie anfangs zurückgewiesen, doch
dann sagte man sich: vielleicht ist es doch eine gute Idee. Er wusste, dass
seine Jünger und das jüdische Volk sich gegen diese Offenbarung auflehnen
werden. Aber er ließ sich deswegen nicht aus der Fassung bringen. Die Wahrheit
fürchtet das Licht nicht; und nachdem er einmal das Wort gegeben hatte, nimmt
er alle Folgen auf sich - was soll's! - sein Wort wird Bestand haben, und man
kann es annehmen.
Das ist eine vorbildliche Verhaltensregel! Man
soll sich nicht über die Gnaden Gottes zum Richter machen. Über eine neue
Frömmigkeit, einen neuen Gedanken soll man nicht sofort sagen: das ist falsch;
sondern vielmehr nachdenken und zu verstehen suchen. Wurde nicht die
Herz-Jesu-Frömmigkeit und die Festlegung des Fronleichnamsfestes zuerst für
nutzlos und sogar für schädlich angesehen?
Unser Herr hat sich nicht begnügt, die
Eucharistie zu verheißen, um die Seelen darauf einzustellen, und damit man ihm
bei der Einsetzung keine Fragen stelle, und die Apostel einen schon
vorgebildeten Glauben hätten. Deswegen wirkte er vor der Verheißung ein Wunder,
damit dadurch seine Worte leichter angenommen würden. Er wollte niemand vor den
Kopf stoßen, sondern vielmehr die Köpfe auf sanfte Art dahin bringen, sich zu
überzeugen. Sein Wort dringt in die Seelen ein wie Tau, der ohne Gewalt sich in
die Erde senkt.
Welches sollte nun das Wunder sein, das sie -
ganz auf sich gestellt - bewegen sollte, die Schlussfolgerung zu ziehen? Es ist
die Brotvermehrung, das Symbol der Eucharistie, die sich ebenso auf wunderbare
Art vermehren sollte, gleichbleibend für alle, dass sie keinem fehlt und dass
alle damit gesättigt werden.
So nimmt Jesus, wie beim Abendmahl, die Brote,
erhebt die Augen zum Himmel, dankt, segnet die Brote, bricht sie und teilt sie
seinen Aposteln aus. Preisen wir die Güte Jesu Christi, die sich in dieser
Ankündigung und diesem Versprechen der Eucharistie zeigt.
Im irdischen Paradies sagte Gott zu Adam und
Eva: "Ihr dürft von der Frucht des
Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, nicht essen; daran dürft ihr nicht
rühren, sonst werdet ihr sterben"(Gen 3,3). Sie haben aber nicht
gehorcht. Ihre Bestrafung bestand im Verlust des übernatürlichen Lebens und in
der unausbleiblichen Folge, eines Tages den natürlichen Tod zu erleiden. Hier ist das Gegenteil der Fall.
Jesus beteuert mit einem Schwur: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr
das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, werdet
ihr das Leben nicht in euch haben" - Joh 6,53.Gott nimmt sein Werk wieder auf. Durch die Eucharistie wird er im Menschen leben und der Mensch in Gott, damit der Stolz der Vernunft in Verwirrung gerate, und sich die Sinne unterwerfen, die dem Mysterium fremd sind.
Glauben wir an das göttliche Wort Jesu und sprechen wir in Dankbarkeit: glücklich derjenige, der von der Frucht des neuen Lebensbaumes isst!
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