Maria, die Knotenlöserin
Einführung: der Marienmonat Mai stellt uns die Gottesmutter in immer
wieder anderen Farben vor, die ihr Wesen und ihre Aufgabe beleuchten. Wie der
Regenbogen als das Zeichen des Bundes Gottes mit den Menschen ist auch Maria
vielfarbig, vielfältig und sagt Angehörigen derjenigen Religionen etwas, die in
Abraham und Sara ihre Stammeltern sehen: den Glaubenden im Christentum, im
Judentum und im Islam.
Wenn wir heute Maria in einer ganz besonderen
„Farbgestalt" betrachten und ihr als der Knotenlöserin begegnen, die in
ausweglosen Situationen den richtigen Rat weiß und einen guten Weg zeigt,
teilen wir mit vielen Menschen die gleiche Sehnsucht: wir ersehnen, dass unser
Leben und auch das der Frauen, Männer und Kinder, die uns nahestehen, gelingt.
Wir spüren, dass wir Hilfe, Halt und Anleitung brauchen, wenn
wir mit belastenden Situationen konfrontiert werden. Maria ist uns hierbei
Stütze und tröstendes Vorbild. Sie behält die Fäden in der Hand, auch wenn sich
diese verwirren, und wirft sie nicht weg. Sie weicht den Verknotungen des
Lebens nicht aus, auch wenn sie darin der äußerste Schrecken bedrängt. Sie
findet das wegweisende Wort, wenn Neues und Unbekanntes gewagt werden muss.
Vertrauen wir uns ihr an und feiern wir mit ihr und unter
ihrem liebevollen Blick diese Maiandacht.
Gebet
aller Feiernden:
Maria, Schwester im Glauben, Knotenlöserin du.
Dein heiliges, unwiderruflich gelungenes Leben spricht mich
an.
Du kennst sie, die leidvollen Situationen,
wenn Ablehnung und Enttäuschung lähmen,
wenn gesteckte Ziele in weite Ferne rücken,
wenn Zuhören unmöglich wird,
wenn Unverständnis verletzt,
wenn Machtansprüche in unvermutete Fallen treiben,
wenn Zweifel übermächtig werden,
wenn Schuld belastet, Versagen lähmt,
wenn sich alles verkrampft und zuschnürt,
wenn nichts mehr gelingt,
wenn keine Lebensenergie mehr strömt.
Maria
vom Knoten, dann mach' mir Mut, weck' Hoffnung und zeige mir Wege, heilende,
erlösende, gute Wege, Verworrenes zu entwirren, Verschlungenes zu glätten,
Verknotetes zu lösen, Verletzungen zu heilen, mit viel Geduld und Ausdauer, mit
Mut und Offenheit, mit Fingerspitzengefühl, mit Wohlwollen und Tatkraft, mit
Treue und Kreativität und mit großem Vertrauen, dass alles gut wird. Maria,
eine von uns, steh zu uns!
Lied: 1. Maria vom Knoten, ich
komme zu dir
und trage viel Freuden und Lasten mit mir.
Maria vom Knoten, wer hörte nicht drauf –
der Knoten sind viel, sie gehen nicht auf.
und trage viel Freuden und Lasten mit mir.
Maria vom Knoten, wer hörte nicht drauf –
der Knoten sind viel, sie gehen nicht auf.
Evangelium: Joh 2, 1-5
Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa
eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger
waren zur Hochzeit eingeladen. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu
ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir,
Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Diener:
Was er euch sagt, das tut!
Meditation:
Bei diesem Fest, das wahrscheinlich so unbeschwert und fröhlich
begonnen hat, wie es sich für ein Fest gehört, verknotet sich die Festtagslaune
recht bald und in bedrohlicher Weise: Der Wein geht aus. Eine Blamage für den
Gastgeber, eine unverzeihliche Schande. Das Brautpaar wird bitterem Spott und
jahrelangem Klatsch kaum entgehen können: „Weißt du noch, wie ihnen damals der
Wein ausging?", so wird es immer wieder heißen. Was tun? Etwas borgen?
Dann wird alles nur noch schlimmer. Das Fest beenden, die Gäste zum Gehen
bewegen, sie aus dem Haus komplimentieren? Undenkbar. Der Knoten zieht sich mit
jeder Minute, die vergeht, immer fester zusammen. Der erste Anlauf, den Maria,
der das Dilemma nicht entgangen ist, nimmt, um die Katastrophe aufzuhalten,
schlägt fehl: Jesus, auf den sie ihre Hoffnung setzt, weist ihre Bitte um Hilfe
ab. Ihr kluger und liebevoller Sohn, der immer einen Ausweg weiß, weist sie ab.
Er ist noch nicht an der Reihe. Seine Stunde ist noch nicht gekommen. Maria
bleibt mit ihrer Sorge allein. Aus eigner Kraft kann sie das Ruder nicht
herumreißen. Aufgeben ist allerdings auch nicht ihre Sache. Sie hat mit diesem
Menschen von seinen ersten Tagen an gerungen und wird es auch jetzt tun. Sie
vertraut, dass es eine Lösung geben wird, und tut deshalb, was sie immer getan
hat. Sie nimmt das Problem mutig und geschickt in ihre Hände, wirft ihre Sorgen
auf Gott und hofft auf ihn. Er wird das erlösende Wort und die befreiende Tat
wissen und tun. Wie Recht sie hat: Das Wasser wird Wein und die Hochzeit zu
Kana ein Abbild des himmlischen Hochzeitsmahles. Gott offenbart sich in einem
Zeichen, das nicht nur die verhedderte Lage löst, sondern auch die Verknotungen
des Herzens. Braut und Bräutigam feiern in Freude und Unbeschwertheit ihr Fest
der Liebe, das unerwartet tief zum Fundament ihres Lebens in der Gegenwart
Gottes geworden ist.
Lied:
2. Maria vom Knoten, wie tröstlich das klingt:
Es gibt eine Hand, die Knoten entschlingt.
Maria vom Knoten, den Knäuel hier schau!
Ich bring ihn nicht auf – hilf, heilige Frau.
Es gibt eine Hand, die Knoten entschlingt.
Maria vom Knoten, den Knäuel hier schau!
Ich bring ihn nicht auf – hilf, heilige Frau.
Fürbitten:
Maria
ist unsere Fürsprecherin, wenn wir Gott um die Lösung der Knoten bitten, die
unser Leben beschweren:
—
Beten wir für alle Menschen, die sich in Beziehungen verfangen haben, denen
eine Liebe gescheitert oder deren Familie zerbrochen ist.
—
Beten wir für alle, die sich an ihren Körper gefesselt fühlen, die Gewalt
erfahren haben, missbraucht oder missachtet werden.
— Beten wir für alle, die an Leib und
Seele krank sind, ohne dass ihnen bisher geholfen werden konnte.
— Beten wir für alle, die andere
Menschen in unguter Weise an sich binden oder anderen die Freiheit zur
Selbstbestimmung rauben.
— Beten wir für alle, die sich selbstlos bemühen, anderen
beim Lösen von Knoten zu helfen.
— Beten wir in den Knoten-Anliegen, die uns persönlich
belasten.
Gott,
du ermutigst uns durch das Beispiel der Gottesmutter, füreinander und
miteinander Knoten zu lösen. Gib uns dazu die nötige Kraft, Ausdauer und Fantasie
durch Christus, unsern Bruder und Freund.
Gebet:
beten wir zum Lob der Gottesmutter, zum Dank für ihr Vorbild als Knotenlöserin
und als Bitte um Gottes Segen ein Gesätzchen vom Rosenkranz: Jesus, der sich bei der Hochzeit zu Kana geoffenbart hat.
Segensbitte:
Lied:
Ins Letzte verwirrt: O erbarme dich!
Maria vom Knoten, du bist schon im Licht,
du weißt es ja selbst, was mir noch gebricht.
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