Die
Eucharistie
ist das Leben
Gott lebt aus sich selbst, er ist das Wesen und das Prinzip
des Lebens. Jesus hat gesagt: "Ich
bin das Leben, ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das
Manna gegessen und sind dennoch gestorben; wer aber ißt vom Brot, das vom
Himmel herabge-kommen ist, wird nicht sterben. Ich bin das
lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist; wer von diesem Brot ißt, wird
ewig leben. Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut
nicht trinkt, werdet ihr das Leben nicht in euch haben. Wer mein Fleisch ißt
und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am
jüngsten Tag. Wie mein Vater lebt und mich gesandt hat, und ich durch meinen
Vater lebe, so wird auch derjenige, der mich ißt, durch mich leben."
Die Eucharistie ist also das Leben; das Leben, das vom
ewigen Tod bewahrt und uns sogar von der Besudelung der läßlichen Sünde
reinigt; das hl. Konzil von Trient nennt sie das Gegengift der Sünde.Dies also ist das wahre und mächtige Mittel, für den neuen Lazarus und die neue Magdalena, um das geistige Leben zu bewahren.
Der Genesende ist für gewöhnlich noch schwach; er muß seine noch unsicheren Kräfte er-neuern; er bedarf einer guten und milden Ernährung; er braucht die Eucharistie.
Ohne dieses göttliche Nährmittel, das ebenso köstlich wie stärkend ist, würde der Sünder nicht imstande sein, auf diesem neuen Weg zu wandeln und in diesem harten Kampf der geistigen Miliz durchzuhalten. Er muß soviel liebgewonnene Ketten brechen; er muß das aufgeben, was er angebetet hatte; er muß als schlimmstes Übel bezeichnen, was er vorher sein Glück genannt hatte!
Aber wie beseligend ist die Kommunion nach einer aufrichtigen Bekehrung! Wie gut und milde ist doch Jesus zu dieser armen, noch vom Fieber geschüttelten Seele! Wie läßt er sie spüren, daß ihr gänzlich vergeben wurde, daß sie geliebt wird, und daß ihr nunmehr die Tugend leicht und das Opfer süß sein werden!
Die Eucharistie ist nämlich nicht nur das Gegengift und erhaltende Brot für das geistliche Leben: sie ist dessen Kraft.
Die Eucharistie überflutet uns mit Licht wie die Jünger von Emmaus, welche während des Brotbrechens sofort erkannten, daß ihr beredter Weggefährte Jesus selbst war. Weil sie aus seiner Hand die hl. Kommunion empfangen hatten, gingen ihnen die Augen auf.
Ja, eine einzige Kommunion bewirkt mehr Erleuchtung als alle Überlegungen der Weisen, mehr als die Lektüre aller Bücher. Jesus in der Hostie überflutet die gut disponierten Herzen explosionsartig mit Licht und Flamme. So versteht man die Worte des Propheten: "Kostet und seht, wie gut der Herr ist."
Durch die Kommunion begreift man die Wahrheit besser, man dringt leichter in sie ein; man berührt das Feuer, sieht die Sonne und erfaßt die Natur besser als durch sämtliche Definitionen der Wissenschaft.
Die Kommunion läßt die Tugend des Menschen entstehen und hält sie aufrecht. Die Tugend ist die Frucht des Herzens und nicht des Geistes. Die Tugend liegt also vorwiegend im Willen zur Pflicht und in der Liebe zum Guten. Genau dies schenkt die Kommunion, die unversiegbare Quelle der Großmut. Die hl. Kommunion ist der Anreiz der Tugend und gleichzeitig die Kraft dazu. Wir müssen essen, um arbeiten zu können; man muß glücklich gewesen sein, um sich bis zum Tod einzusetzen.
Daher ist die hl. Kommunion für die fromme Seele notwendiger für denjenigen, der vollkom-mener leben will, als für jenen, der sich mit dem allgemeinen Gesetz zufriedengibt. Die fromme Seele gibt mehr für das Leben und auf dem evangelischen Schlachtfeld aus, wo das geopfert wird, was an sich gerechtfertigt und erlaubt wäre; um in die Reihe der eifrigsten Jünger eingereiht zu werden, braucht es eine doppelte Ration.
Ist es nicht stets so, daß der Verstand dem Stolz verfällt, das Herz einschläft und die Seele ermattet, sobald der regelmäßige Kommionempfang vernachlässigt wird? Dadurch wird man nicht stärker, sondern schwächer.
Die Eucharistie ist also das Leben der Tugenden.
Man möchte, daß die Eucharistie eine Belohnung biete; das ist gefehlt: dies würde bedeuten, daß man sich mit Stolz krönte und sich für gut und vollkommen hielte.
Die Belohnung der Kommunion liegt in der Treue und Hingebung.
Wenn man sich gelegentlich in Demut der Eucharistie enthält, so ist dies lobenswert, aber die gänzliche Aufgabe ist zu verurteilen; diese Haltung beleidigt den göttlichen Wohltäter, der sich uns anbietet, den Erlöser, der uns dazu einladet und die Liebe, die uns erwartet. Es ist eine falsche Demut, die an der Tür Jesu Christi stehenbleiben will, wenn er bis vor die Tür kommt. Es ist eine egoistische Demut, die in der Trägheit der Tränen oder in der Lauheit der Ruhe verharrt, wo uns doch der Heiland zuruft: kommt zur Hochzeit meiner Liebe!
Die Eucharistie ist nicht nur das Leben des Christen, sie ist auch das Leben der Völker.
Der Mensch, welcher in Gemeinschaft lebt, braucht ein Band, das ihn an seinesgleichen bindet; er braucht ein Ehrengesetz, ein Zentrum der Zuneigung. Nun ist in der christlíchen Gesellschaft die Eucharistie dieses Band, dieses Gesetz und dieses Zentrum.
Die Eucharistie ist das Band der Christen. Durch sie werden wir miteinander verwandt, wir essen an einem Tisch und haben denselben Vater, der im Himmel ist. Der hl. Paulus sagt: "Wie könnten wir nicht denselben Geist der Liebe haben, wo wir doch dasselbe eucharistische Brot essen?"
Die Eucharistie ist unser Ehrengesetz. Gewiß, wer am Tisch von Königen ißt, gilt als sehr achtbar. Aber der Christ, der kommuniziert, ist es noch mehr, weil er am Tisch der Engel, am Tisch Jesu Christi speist. Zudem: wie sollte man nicht einen Menschen nicht ehren, sogar ein Kind, das ein neuer Himmel, ein lebendiger Tabernakel, ein zweiter Jesus Christus geworden ist oder bald werden wird, wie sich der hl. Paulus ausdrückt?
Die Eucharistie ist unser Zentrum der Zuneigung. Seht, wie der Heiland mit Freude die Früchte der Vereinigung mit der Eucharistie ausdrückt, nachdem er sie an seine Apostel ausgeteilt hatte; nie zuvor hatte er ihnen das Gesetz der Liebe klarer ans Herz gelegt: "Liebet einander, wie ich euch geliebt habe. Ich habe euch geliebt, wie mein Vater mich geliebt hat; bleibet in meiner Liebe! Heiliger Vater, ich bitte dich für meine Jünger, damit sie eins seien in uns."
Somit ist die Eucharistie also das Leben nicht nur für das Individuum, sondern ebenso auch für die Gesellschaft.
P. Eymard Oberer der Gesellschaft vom Hlst. Sakrament.
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