Samstag, 23. Juni 2018

Aviano, Marco d’

Am 8. September feierte Marco d’Aviano anlässlich des Festes Mariä Geburt bei Tulln eine Messe – für ihn der ideale Anlass, „um sich mit den inbrünstigen Bitten für einen erfolgreichen Angriff auf die Türken an die seligste Jungfrau wenden zu können“ (Sachslehner 2006: 261). Er feierte die Messe mit großen, dramatischen Worten und Gesten im Zelt des Polenkönigs Sobieski, der ministriert haben soll und über dem Altar eine Kopie des berühmten Marienbildes der „Schwarzen Madonna von Tschenstochau“ anbringen ließ. D’Aviano war in seiner „Ermahnungsrede“, die er mit erhobenem Kreuz an die bei Tulln stationierten Truppen gehalten haben soll,
selbst zutiefst von seinem Pathos ergriffen, tränenüberströmt, geschüttelt von Schluchzen, sprach er die Gebete dafür vor. Als auf seine Frage, ob sie Vertrauen zu Gott hätten, alle einstimmig mit einem begeisterten Ja! antworten, ließ er Offiziere und Truppen ein paar Mal Jesus Maria! Jesus Maria! rufen. (ebd.)
Um die Soldaten zur vollkommenen Reue ihrer Sünden zu motivieren, soll er selbst immer wieder die Worte gerufen haben: „Ich habe gesündigt, ich habe gesündigt, Barmherzigkeit, o Herr!“ (vgl. ebd.). Sein starker Glaube und seine mitreißenden Predigten sollen schließlich die Truppen in Begeisterung versetzt, ihren Mut gestärkt und so zum Sieg verholfen haben.
In einem Brief an seine Frau beschrieb Sobieski am Tag nach der Messe Marco d’Aviano wie folgt: „Er ist wahrlich ein mit dem Herrgott verbundener Mensch, nicht primitiv und nicht bigott“ (zit. nach: Zeller 1981: 25). Sobieski berichtete auch darüber, wie der Kapuzinermönch ihm in einer halbstündigen Audienz erzählte, „was er mit dem Kaiser privat gesprochen hatte, wie er warnte, ermahnte und darlegte, warum der Herrgott diese Länder hier straft“ (ebd.). Den Worten d’Avianos zufolge personifizierten ‚die Türken’ den Zorn Gottes gegen die Sünder. Zum Kaiser soll er gesagt haben:
‚Geheiligte Majestät! Gott hat die Geißel in die Hand genommen, weil man Ihn durch die Sünde herausfordert. Man muss ihn daher wieder versöhnen durch Demuth, Reue und Besserung des Lebens. Kehrt man vom Herzen zu Gott zurück, erweist man ihm statt der öffentlichen Beleidigungen öffentliche Ehre, so bin ich überzeugt: Gott wird, wenn er auch Trübsal schickt, doch nicht Zerstörung und Untergang verhängen.‘
Mit glühendem Eifer und großem Erfolge predigte nun Marcus Buße [...] ‚O Wien, Wien!‘ – rief er in einer Predigt aus, die er auf öffentlichem Platze hielt; – ‚Deine Liebe zum freien Leben hat dir eine schwere und baldige Züchtigung bereitet. Aendere deine Sitten und siehe wohl zu, was du thust, du unglückseliges Wien.‘
Was P. Marcus damals, – im Juni 1682 – voraussagte, traf im Jahre 1683 auch wirklich zu. Die schreckliche Belagerung durch die Türken war die ‚baldige Züchtigung‘, von der P. Marcus ein Jahr vorher gesprochen hatte. Und wenn die Bevölkerung so standhaft und opferwillig die ‚Züchtigung‘ ertrug und zur Vertheidigung Wien’s die letzten Kräfte ansetzte, ist das wohl nicht zum Wenigsten als ein Erfolg der Bußpredigten des Marco d’Aviano anzusehen. Denn ein unbußfertiges Volk wird nicht bloß gezüchtigt, sondern vernichtet. (Hemberger 1896: 34)

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