Heilige Maria,
makellose Mutter unseres Herrn Jesus
Christus,in dir hat Gott uns das Urbild der Kirche und des rechten Menschseins geschenkt.
Dir vertraue ich das Land Österreich und seine Bewohner an:
Hilf uns allen,
deinem Beispiel zu folgen und unser Leben ganz auf Gott auszurichten!
Lass uns, indem wir auf Christus schauen,
ihm immer ähnlicher, wirklich Kinder Gottes werden!
Dann können auch wir,
erfüllt mit allem Segen seines Geistes,
immer besser seinem Willen entsprechen
und so zu Werkzeugen des Friedens werden
für Österreich, für Europa und für die Welt.
Amen.
Predigt von Erzbischof Franz Lackner in Mariazell am 13.6.2017
"Eminenz, liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst, liebe Diakone! Sehr geehrter Herr Abt, lieber P. Superior!
Schwestern und Brüder aus den Orden; v.a. aber liebe Pilger, Pilgerinnen und Beter, die ihr heute hier gekommen seid, um miteinander Eucharistie zu feiern.
Es ist wichtig, unheimlich wichtig, liebe Brüder und Schwestern und Brüder, dass wir uns immer wiederum neu innerlich ringend, nicht selten auch seufzend um das klare Wasser des Ursprungs bemühen. Vor zu schnellen und selbstsicheren Verstehen in den wesentlichen Dingen unseres Lebens muss in einer oberflächlich gewordenen Weltanschauung gewarnt werden.
Glaubt jenen, die die
Wahrheit suchen, sagte Andre Gid, wenige Tage vor seinem Tod. Er, der selbst lebenslang
suchend geblieben ist, hat hier einen wahren Punkt christlichen Glaubens
erkannt. Aufrichtig gelebter Glaube braucht die innere Haltung des Suchens und
Sehnens. „Si comprendis non est Deus“
- wenn du es erfasst, ist es nicht mehr Gott - warnt der Hl. Augustinus, zumal selbst
in der Glaubenswelt viel Abgestandenes und Festgefahrenes sich ansammeln kann.
Die Folge davon ist Rechthaberei bis hin, wie es unsere verfolgten Brüder und
Schwestern im Glauben leidvoll erfahren müssen,
ein Menschen verachtender Fundamentalismus.
Mir ist der Brief aus
Apokalypse des Johannes an die Gemeinde von Ephesus bleibende Mahnung. Gott
spricht: „Ich halte gegen dich, dass du
deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke aus welcher Höhe du gestürzt bist.“
Immer wenn es um das
Verstehen von Personen geht, braucht es die unverbrauchte Kraft der ersten
Liebe; erst recht dann, wenn wir uns anschicken dem Geheimnis von jenem jungen
Mädchen aus Nazareth, namens Maria, etwas näher zu kommen. Die ersten Spur
legenden Schritte von Maria finden wir in den Hl. Schriften niedergelegt. Maria,
Mutter Gottes, ist keine Frau vieler Worte. Das wenige über Sie Überlieferte steht
in keinem Verhältnis zu ihrer Wirkung, welche sie im Laufe der Geschichte
erfahren hat. Das Wenige von ihr Überlieferte machte sie dennoch zu einer Lichtgestalt
unseres Glaubens. Darum mein Plädoyer, nicht so sehr der Kraft des Verstandes,
sondern auf Liebe und Sprache des Herzens zu vertrauen. Es sind dies kostbare
Worte, die uns zugesprochen werden.
-
Gleich
am Anfang ihrer Berufung, bei der Verkündigung des Engels hören wir: „mir geschehe, wie du gesagt hast!“ Diese
Worte haben gleichsam die Paradiesespforte wiederum geöffnet. Sie finden den
Widerhall im Gebet, das Jesus uns lehrt; das Vater unser: in der dritten Bitte nach
der Anrufung Gottes im Himmel lautet es: „Dein
Wille geschehe!“ (mir geschehe, wie du gesagt hast; dein Wille geschehe)
-
Danach
folgt der Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu, anlässlich einer Hochzeit in Kana
bemerkt Maria eine Peinlichkeit des Gastgebers, der Wein geht aus. Jesus
scheint sie zurückzuweisen: „Frau, was
habe ich mit dir zu tun?“ Dennoch ist sie es, die den Jüngern den Hinweis gibt:
„Was er euch sagt, das tut!“ Das
erinnert wiederum an den Franziskanerpater Petrus Pavlicek, der im Jahre 1946,
unmittelbar nach einem fürchterlichen Weltkrieg, hier in Mariazell vor der
Gnadenstatue betete und ihm die Eingebung geschenkt wurde: „Tut, was ich euch sage und es wird Friede
sein.“ Seither betet die Gebetsgemeinschaft RSK um Frieden in der Welt.
-
Durch
das offenbarende Wirken Gottes entdeckte der Mensch erst seine Innerlichkeit. Maria
war eine innerlich betrachtende Frau. Die Evangelien benennen diesen Wesenszug mehrmals:
„Alles, was geschehen war bewahrte sie in
ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ Bemerkenswert auf ihrer Wallfahrt
nach Jerusalem ging der junge Jesus verloren; als sie ihn erst nach drei Tagen
im Tempel fanden – offensichtlich haben sie ihn dort nicht zuerst vermutet -,
und vorwurfsvoll fragten: „Kind, warum
hast du das gemacht, dein Vater und ich haben dich ängstlich gesucht?“,
antwortete Jesus erstaunt: „Warum habt
ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines
Vaters ist?“ Auch das Nicht-Verstandene erwog die Mutter Gottes in ihrem
Herzen, und dachte darüber nach. Ich wage einmal zu behaupten, heute wird viel
nachgedacht, dieses bewegt sich aber vornehmlich um das Äußere und
Funktionierende. Wir kreisen fast ausschließlich im Bereich des Verstehens. Maria
lehrt uns das Wagnis, sich auf einen Gott einzulassen, der stets größer und
letztlich unbegreiflich bleibt, der auch Unmögliches vermag.
Das sind kostbare Worte,
die uns da geoffenbart wurden, gleichsam Sterne, die in glaubensschwacher Zeit
den Weg weisen. Darunter zeichnet sich ein Stern durch besondere Leuchtkraft
aus. Maria antwortet auf die Botschaft des Engels: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Die
Selbstbezeichnung Magd des Herrn steht in der ganzen Hl. Schrift einzigartig
dar. Keine Frau nimmt für sich einen derartigen Demuts- und Hoheitstitel in
Anspruch. Magd – „δούλη“ – ist die weibliche Form von Knecht – „δοῦλος“ –. Magd
des Herrn rückt damit in die Nähe von Gottesknecht, wie dieser in den Heiligen
Schriften öfters gebrauchte Begriff jedoch kulminierend auf den leidenden
Gottesknecht Jesus Anwendung findet. Das zweite Vatikanische Konzil hat aus
diesem Grund Maria mit Recht als Mittlerin aller Gnaden bezeichnet. Weil Maria
in einzigartiger Weise verfügbar wird und bleibt für Gottes Heilshandeln: „Ich bin die Magd des Herr, mir geschehe, wie du gesagt hast.“
Es ist wichtig die
Umgebung, die Atmosphäre, dieses heiligen Geschehens mit hinein zu nehmen in
unsere Betrachtung. Wo es geschieht: nicht in der Hl. Stadt Jerusalem, sondern
in Nazareth, ein Dorf von zweifelhafter Bedeutung; nicht im Tempel, sondern in
einem Privathaus. Der Engel erscheint nicht, wie er plötzlich im Tempel
auftaucht und dem Priester Zacharias erscheint; er tritt ein und so verlässt er
sie nach geschehener Mission. Maria ist keine Priesterin, sondern eine junge,
einfache Frau, die ganz offen ist für das Gnadenwirken Gottes. Der Engel
spricht sie zuerst nicht mit Namen an, sondern: „Freue dich, Begnadete!“ Begnadete
wird gleichsam zum zweiten Namen Mariens. Diese Durchlässigkeit Mariens auf
Gott hin war immer wieder Anlass theologischer Reflexionen. Das Dogma der
unbefleckten Empfängnis basiert darauf. In Maria hat Gott ein kleines Stückchen
Paradies bewahrt, einen heiligen Rest paradiesischer Unversehrtheit, wohinein Er
sein Wort von der Menschwerdung sprechen konnte, nicht weil er musste, z.B. um
der Erlösung willen, sondern weil es von Anfang an – wie ich es nenne – die
Ursehnsucht Gottes ist, ein Gott mit den Menschen zu sein. Dafür steht Maria:
in reiner Schlichtheit und schlichter Reinheit! Dafür steht ihr unbeflecktes
Herz! Nazareth steht für die tiefe Vertrautheit Gottes mit den Menschen!
Im Jubiläumsjahr von 100
Jahre Fatima haben uns Bischöfe viele Briefe erreicht mit der Bitte, einen Akt
der Hingabe zu setzen. Maria ist auch Tochter Zions, sie steht stellvertretend
für das ganze auserwählte Volk fürbittend vor Gott, so wollen auch wir
stellvertretend für alle Gläubigen und für das ganze Volk diesen feierlichen
Akt der Hingabe leisten. Nach dem Vorbild von Papst Benedikt XVI, der am 8.
September 2007 in Wien Österreich der Mutter Gottes anvertraut hat, indem
hernach vor dem Gnadenaltar jenes Gebet sprechen, das auch der Papst vor zehn
Jahren gebetet hat. Die Atmosphäre von Nazareth ist der unsrigen heute nicht so
unähnlich. Auch wir leben als Christen und Christinnen in einer zweifelhaften
Umgebung. Die Welt blutet aus vielen Wunden, viele Christen und Andersgläubige
leiden unter Verfolgung; die Schöpfung seufzt unter der Last der Menschen; das
ungeborene Leben vermisst schmerzlich den uneingeschränkten Schutz; der
Glaubensschwund in unseren Kirchen; eine bange Frage Jesu brennt in unseren
Herzen, es ist dies die Frage Jesu: „Wird
der Menschensohn, wenn er wiederkommt, noch Glauben auf der Erde finden!“
Wir hingegen stehen
vielfach ohnmächtig da. Die Frage Mariens an den Engel „wie soll denn das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ lässt
keinen Zweifel oder gar Ungläubigkeit anklingen; sie möge in dieser
Unvoreingenommenheit zur unsrigen werden, zu einer vertrauensvollen Bitte, voll
Hoffnung und demütig im Glauben. Darum erscheint es uns als angemessen diesen
Akt der Hingabe als einen Akt des Vertrauens zu tun.
Der Mutter Gottes von
Mariazell Volk und Land anzuvertrauen. Wir bitten das gläubige Volk das zu
verstehen und mitzutragen: mit ganzem Herzen und in durchlässiger Reinheit der
Seele. Maria mit dem
Kinde lieb, uns allen deinen Segen gib! Amen"
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