P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
P: Jesus Christus, in dem Gott die Welt mit sich
versöhnt hat, ER sei mit euch.
A: Und mit deinem Geiste.
Liebe Schwestern, liebe Brüder!
Zum Bußgottesdienst in der österlichen Bußzeit heiße ich Sie
herzlich willkommen.
Unser Bußgottesdienst trägt den
Namen: „Aus der Kraft der Versöhnung leben“. Wem einmal die Hand zur Versöhnung
gereicht wurde, nachdem er Unrecht getan hat, weiß, was für ein kostbares
Geschenk es ist, wieder versöhnt mit anderen leben zu können. Dieses Geschenk
dürfen wir immer neu empfangen, wenn wir uns jetzt der Botschaft Jesu öffnen.
Denn darin wird uns im Bild und im Gleichnis des barmherzigen Vaters vor Augen
gestellt: „Gott ist es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat“.
Wir sind eingeladen, uns diese Versöhnung von Gott
neu schenken zu lassen. Unsere Bereitschaft zur Gewissenserforschung ist ein
Zeichen dafür, dass wir diese Einladung annehmen. So wollen wir mit dem
verlorenen Sohn es nicht nur sagen, sondern auch nachvollziehen: „Ich will
aufbrechen und zu meinem Vater gehen“.
Gebet der Gemeinde
Barmherziger Gott und Vater, Schöpfer
des Himmels und der Erde.
Du hast Mann und Frau als dein
Abbild geschaffen. Du bist den Menschen aller Völker und Zeiten nahe.
Vater, wir preisen dich.
Israel hast du zu deinem Volk
erwählt und mit ihm einen bleibenden Bund geschlossen.
In der Fülle der Zeit hast du
uns Jesus, deinen Sohn, gesandt und bist in ihm die Wege der Menschen gegangen.
Vater, wir danken dir.
In der Kraft des Geistes begleitest
du deine Kirche. Du beschenkst sie mit der Vielfalt seiner Gaben.
Sie ist Kirche der Heiligen und
der Sünder, aber du bleibst ihr treu auf dem Weg durch die Zeit.
Dir vertrauen wir.
Lass dein Reich schon in unserer
Zeit spürbar werden: durch Wahrheit und Liebe unter den Menschen,
durch Gerechtigkeit und Friede
zwischen den Völkern durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.
(Papst
Johannes Paul II.)
Lesung aus
dem Evangelium nach Lukas: 15,11–32
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
Es gibt wohl kaum ein anderes
Gleichnis Jesu, das das ganze Evangelium so widerspiegelt wie das Gleichnis vom
barmherzigen Vater. Mit Recht nennen wir dieses Gleichnis so. Denn die Mitte
des Gleichnisses ist der Vater, der sich beiden Söhnen, dem jüngeren und dem
älteren, zukehrt, um ihnen sein Erbarmen zu schenken. Beide sind draußen – aber
beide sind zugleich drinnen im Herzen des Vaters. Beide müssen umkehren – zu
ihm und so zu sich selbst. Umkehren, darauf kommt es an, auch für uns. Doch wie
ist das möglich?
Es war die Stunde, in der der
jüngere Sohn vor dem Nichts stand. Alles hatte er durchgebracht. Nichts war
mehr sein eigen. Nicht einmal das Nötigste zum Leben hatte er: das tägliche
Brot. Da, in seinem äußersten Hunger und in der größten Not entdeckt der Sohn,
was verschüttet schien. Er entdeckt seine Herkunft und seine Würde. Er
entdeckt, dass er Sohn und Bruder ist. Es wird ihm bewusst, dass er die Würde
der Sohnschaft aufs schlimmste verraten hat. Eine überwältigende Einsicht! Aus
dieser Einsicht fast er den Entschluss zu handeln.
„Ich will aufbrechen und zu
meinem Vater gehen“. Das ist einer der schönsten Sätze, die ein Mensch sagen
kann. Es ist einer der größten Sätze, dessen das menschliche Herz fähig ist.
Auf diesen Aufbruch kommt es an. Es kommt darauf an, im Entdecken der Würde die
Demut aufzubringen, umzukehren. Umzukehren, zum Vater zu gehen. Denn er kennt
uns. Er hat uns keinen Augenblick lang vergessen. Er hat sich uns nicht
aufgedrängt. Er hat uns sogar gehen lassen. Vielleicht fragen wir ihn manchmal:
warum hast du uns gehen lassen, warum hast du uns nicht festgehalten, warum
hast du deine Macht nicht ausgenützt, damit wir dir nicht hätten davonlaufen
können ins Unglück hinein?
Doch er möchte nicht Knechte,
die nur funktionieren; er möchte nicht Gegängelte, nicht Wesen, die nie zu sich
selber kommen. Er will uns die Freiheit lassen, ganz freigeben an uns selber,
weil er selber frei ist, weil er uns nach seinem Bild erschaffen hat, weil wir
seine Söhne und Töchter sind. Das ist unsere Berufung und unsere Würde.
Diese Würde zu entdecken und
zugleich die Demut zum Umkehren aufzubringen, das fällt schwer. Es fällt schwer
zu sagen: „Vater, ich habe gesündigt“. Es fällt schwer zur Wahrheit zu stehen,
zur Wahrheit über uns selbst. Und das ist die Wahrheit, dass wir ihm immer
wieder davonlaufen und ihn aus dem Blick verlieren. Doch wo wir aufbrechen, zu
ihm umkehren und zur Wahrheit über uns selbst stehen, da dürfen wir dessen
gewiss sein: er kommt uns schon längst entgegen.
Das Fest ist für beide Söhne
offen. Der Vater will beiden Söhnen Vater sein und beide Söhne in seine Freude
einbeziehen: den, der in seiner Schuld verloren und zugleich wiedergefunden
ist, ebenso wie den, der sich in seiner Empörung über den Schuldigen verliert
und doch nicht vom Vater aufgegeben wird. Die Liebe des Vaters kommt beiden im
Fest zuvor: dem, der sich solcher Liebe nicht mehr für wert erachtet und dem,
der sich über diese Liebe ärgert. Die Liebe des Vaters überholt als Vergebung
die Vergangenheit des einen und als Bitte um Mitfeiern die scheinbare
Gerechtigkeit des anderen.
Das Gleichnis hat einen offenen
Schluss. Wir erfahren nicht, ob der ältere Sohn die Einladung angenommen und
die Freude des Vaters geteilt hat. Doch die Einladung steht. Die Entscheidung,
sie anzunehmen, treffen wir selbst. Gottes Liebe will werben und bitten, sie
wird niemanden zum Fest zwingen.
„Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen“. Mehr
brauchen wir nicht zu tun. Denn wir dürfen dessen gewiss sein: seine
Versöhnungsbereitschaft umfängt sowohl uns, die wir ihm davongelaufen sind; sie
umfängt uns aber auch dann, wenn wir uns stets gemüht haben, bei ihm zu sein
und zu bleiben, jedoch unsere Augen für seine grenzenlose Barmherzigkeit
bisweilen gehalten sind. Aus dieser Versöhnungsbereitschaft des Vaters können
wir leben. Sie gibt uns die Kraft, als Versöhnte dann auch die Gabe der
Versöhnung weiter zu schenken.
Gewissenserforschung
I. Innehalten und aufbrechen
L: Es ist
gut, von Zeit zu Zeit inne zu halten und über den zurückgelegten Weg
nachzudenken. Es kann dann notwendig sein, wie der jüngere Sohn aufzubrechen.
Wenn wir verantwortungsbewusst handeln, wird ein solcher Aufbruch dazu führen,
unser Leben zu ändern. Ob „Vollkommen-sein“ nicht heißt: immer wieder
aufbrechen und sich ändern?
- Wann nehme ich mir Zeit, um meinen Lebensweg zu
überdenken, auf den Ruf Gottes zu hören und die Konsequenzen für mein Leben zu
bedenken?
- Wann
und wo finde ich zu mir selbst, um mit Gott zu reden, zu ihm zu beten und auch
vor ihm zu schweigen?
- Wo
mache ich mich selbst zum Maßstab meines Handelns?
- Wann
habe ich anderen gegenüber meine Stellung, mein Sagen-haben, meine Macht
missbraucht, besonders gegenüber denen, die mir zu- und untergeordnet sind?
- Wo bin
ich gefangen in übermäßigem Konsum von Alkohol oder anderen Drogen?
- Was möchte
ich an Problemen anpacken, damit mein Leben und das anderer verändert werden
könnte?
Stille
II. Ich will zu meinem Vater gehen
L: Wenn wir
aufbrechen, müssen wir wissen, wohin wir aufbrechen. „Ich will zu meinem Vater
gehen“. Das ist das Ziel. Je mehr wir uns ihm zuwenden, umso mehr finden wir
uns selbst und finden wir zueinander. Denn in ihm finden wir, was für unser
Leben unerlässlich ist: Barmherzigkeit und Vergebung.
- Wann
habe ich es aus Mangel an Gesprächsbereitschaft unterlassen, Ungereimtheiten im
Miteinander zu klären und im Dialog zu bereinigen?
- Bin
ich bereit, die Versöhnung mit anderen zu suchen und Unrecht zu verzeihen, auch
wenn es schwer fällt?
- Kann
ich akzeptieren, dass ich nicht immer gut und richtig gehandelt habe?
- Habe
ich den Mut, meine Fehler und mein Versagen beim Namen zu nennen: andern
gegenüber und im Beichtgespräch?
- Lass
ich mich im Bußsakrament mit dem Wort der Versöhnung beschenken und neu
aufrichten?
Stille
III. Die Freude teilen
L: Die
Freude des Vaters über den verlorengeglaubten Sohn geht über alle Maßen. Diese
Freude zu teilen, fällt dem älteren Sohn schwer. Ob es dem Vater gelingt, den
Sohn dafür zu gewinnen, bleibt offen. Jetzt geht an uns der Anruf des Vaters zu
erkennen: „Alles, was mein ist, ist dein“. Unsere Antwort kann eigentlich nur
die Dankbarkeit und die Freude sein, die wir teilen.
- Bin
ich bereit, das Gute und Gelungene bei anderen anzuerkennen und ihre Freude zu
teilen oder suche ich immer das Haar in der Suppe?
- Bin
ich aufmerksam genug, um wahrzunehmen, wenn anderen Unrecht getan wird? Habe
ich den Mut, das Unrecht auch beim Namen zu nennen?
- Gebe
ich in meinem Leben Zeugnis von dem Glauben, der mich trägt? Durch meinen
Einsatz in der Pfarrgemeinde, durch mein Gebet und die Mitfeier der
Gottesdienste?
-
Gebrauche ich mein Eigentum in Solidarität mit jenen, die nichts haben oder nur
wenig besitzen?
- Bin
ich bereit etwas abzugeben, auch wenn es schmerzt?
- Teile
ich meine Zeit, meine Fähigkeiten und meine Kraft mit anderen, um so ihr Leben
heller und zuversichtlicher zu machen?
Stille
Schuldbekenntnis
P: Gott, du
bist reich an Liebe und Güte; / darum erbarme dich unser. Ich bekenn
Vergebungsbitte
P: Guter
und treuer Gott, du führst uns hinaus ins Weite und schenkst uns die Freiheit: Vergib,
wenn wir den Aufbruch nicht wagten. A: Amen.
P: In deinem Sohn Jesus Christus
stehst du vor der Tür unseres Lebens und klopfst an: Vergib, wenn wir auf deine
Stimme nicht gehört und dir nicht geöffnet haben. A: Amen.
P: Du kommst uns entgegen und lädst
uns ein zum Mahl der Freude: Vergib, wenn wir deiner Einladung nicht gefolgt
sind. A: Amen.
P: Der Herr
vergebe euch Sünde und Schuld, und jeden Mangel an Glaube und Liebe.
Gebet des Herrn
P: So lasst
uns nun beten, wie der Herr selbst es uns gelehrt hat:
A: Vater
unser im Himmel...
Segen:
Es segne euch Gott der Vater, er
hat euch angenommen als seine Söhne und Töchter. A: Amen.
Es segne euch Gott, der Sohn, er
hat der Welt und den Menschen Versöhnung gebracht. A: Amen.
Es segne euch Gott, der Heilige
Geist er führe euch in die Grenzenlosigkeit seiner Liebe und mache euch zu
Werkzeugen der Versöhnung. Amen.
Das gewähre euch der dreifaltige
Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
A: Amen.
Der Bußgottesdienst ersetzt die Beichte nicht, sondern bereitet darauf
gut vor. Daher laden wir Sie zum Sakrament der Versöhnung ein.
Beichtgelegenheit ist hier …